Aktuelles

Lehre im WiSe22: Digitalpolitik, Öffentlichkeit und Demokratie, Europäische Demokratie und Diskurse der Tech-Eliten

In meinem ersten echten Erfurter Semester auf der Professur für Demokratieförderung und Digitalpolitik werde ich insgesamt vier Seminare anbieten (dreimal im Bachelor, einmal im Master). Wie immer habe ich für die Syllabi der Seminare auf der Seite Lehre dauerhaft verfügbar gemacht und freue mich, wenn Sie auf Interesse auch jenseits der Erfurter Studierenden stoßen. Im Bachlor lehre ich in diesem Semester: Digitalpolitik (Syllabus), Öffentlichkeit und Demokratie (Syllabus) und die Demokratisierung der Europäischen Union (Syllabus). Im Master ein Seminar zu den Diskursen der Tech-Eliten (Syllabus)

Professor für Demokratieförderung und Digitalpolitik (Universität Erfurt)

Mit großer Freunde kann ich verkünden, dass ich am heutigen Montag an der Universität Erfurt zum Professor für Demkoratieförderung und Digitalpolitik ernannt wurde. Ich werde ab diesem Wintersemester die Staatswissenschaftliche Fakultät verstärken. Die Professur gibt mir die Chance, meine Forschungsschwerpunkte der letzten Jahre weiter auszubauen und zu verstärken. In der Lehre plane ich den Erfurter Studierenden ein breites Angebot zu machen, welches empirische und theoretische Bereiche der Forschung zu Demokratie und dem Wandel von Demokratien fokussiert. Der Empfang durch Fakultät und Universität war sehr herzlich und ich freue mich auf die kommenden Jahre an der Universität Erfurt.

Ein solcher Wechsel ist auch immer die Gelegenheit, Danke zu sagen. Ich hatte fünf fantastische Jahre an meiner akademischen Doppelheimat, dem Weizenbaum-Institut und dem WZB. Ich danke daher den unzähligen Leuten, die mich in dieser Zeit unterstützt haben und mir damit überhaupt erst die Chance zur professoralen Karriere gaben – besonders natürlich Jeanette Hofmann als Principal Invetigator und dem ganzen Team meiner Forschungsgruppe. Besonders freue ich mich, dass ich künftig auch weiterhin – nun im Gaststatus – Teil der Gruppen am Weizenbaum-Institut und dem WZB bleiben darf. Eine enge Verbindung zu Erfurt herzustellen, ist fest geplant.

Artikel: Der digitale Strukturwandel von Öffentlichkeit – Demokratietheoretische Anmerkungen

Im just erschienen Sammelband Demokratie und Öffentlichkeit im 21. Jahrhundert – zur Macht des Digitalen (verantwortet von Indra Spiecker, Michael Westland und Ricardo Campos) gibt es einen neuen Artikel von mir, der die Umrisse des digitalen Strukturwandels von Öffentlichkeit zu beschreiben versucht. Der Beitrag ist „Der digitale Strukturwandel von Öffentlichkeit: Demokratietheoretische Anmerkungen“ betitelt und stellt eine erweiterte und leicht anders gelagerte Fassung eines älteren Beitrags für das Glossar Stichworte zur Zeit dar. Der gesamte Sammelband ist Open Access (hier) und enthält in der Hauptsache rechtswissenschaftliche Beiträge (u.a. schreiben Christian Djeffal, Thomas Vesting, Matthias Kettemann, Carsten Ochs, Astrid Epiney und Ulrich Kelber darin).

Artikel: Social Media and the Digital Structural Transformation of the Public Sphere

Unter dem Titel Social Media and the Digital Structural Transformation of the Public Sphere ist in der neusten Ausgabe des Journals Theory, Culture & Society ein Artikel von Philpp Staab und mir erschienen, in dem wir uns mit der Frage auseinandersetzen, inwiefern die Habermasche Theorie des Strukturwandels von Öffentlichkeit angesichts der digitalen Konstellation einer Überarbeitung bedarf. Der Artikel befindet sich in äußerst prominenter Nachbarschaft, so gibt es in dem Heft sowohl – und erstmals in englischer Sprache – Habermas Überlegungen zur Aktualisierung seiner Öffentlichkeitstheorie als auch ein Interview mit Judith Butler. Hinzu kommen tolle Texte zur Öffentlichkeitstheorie, u.a. von Hartmut Rosa, Silke van Dyk und Donatella della Porta. Großer Dank gebührt Martin Seeliger und Sebastian Sevignani, die schon den deutschsprachigen Leviathan-Sonderband konzipiert hatten, aus dem sich das Special Issue entwickelt hat. Philipp und mein Artikel ist Open Access und kann hier heruntergeladen werden, den Abstract gibt es weiter unten.

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DigiDem-Abschlussworkshop: Democracy in the Digital Constellation

Die Forschungsgruppe „Demokratie und Digitalisierung“, die ich seit Ende 2017 leiten durfte, kommt am 15. September 2022 zu ihrem geplanten Ende (das Nachfolgeprojekt steht aber schon in den Startlöchern). Um auf die Forschung der vergangenen fünf Jahre zurückzublicken, hatten wir uns für den 5. und 6. September einen besonderen Abschlussworkshop ausgedacht. Unter dem Titel „Democracy in the Digital Constellation. Interdisciplinary Perspectives“ hatten wir uns in vier Panels Expert*innen eingeladen, die unsere Arbeit in den letzten Jahren mit ihren Texten stark geprägt haben. Auf jedem Panel gab es einen Vortrag von uns und je zwei Beiträge von außerhalb der Forschungsgruppe. Geladene Gäste waren Vincent August, Robert Seyfert, Hannah Ruschemeier, Giovanni De Gregorio, Annie Waldherr, Jan-Felix Schrape, Paula Diehl und Rahel Süß – sowie einige unserer langjährigen Begleiter hier aus dem Kontext der Gruppe. Hier das komplette Programm. Es waren zwei fantastische Tage mit langen Diskussionen in einem interdiszplinären Setting, wo jeder sich wirklich für die anderen Perspektiven interessierte – und damit ein perfekter Spiegel für die Jahre der Arbeit in der DigiDem-Gruppe. Danke an alle, die teilgenommen haben.

Broschüre der Landeszentrale: Demokratie und Digitalisierung

Gemeinsam mit Christoph Neuberger, dem geschäftsführenden Direktor des Weizenbaum-Instituts, habe ich eine von der Landeszentrale für politische Bildung in Berlin herausgegebene Broschüre mit dem Titel „Demokratie und Digitalisierung“ verantwortet. Das kleine Heft erörtet, was Digitalisierung und Demokratie im Kontext bedeuten, fragt nach der Veränderung von demokratischen Zielen und Normen in der digitalen Transformation und gibt abschließend einige Handlungsempfehlungen für eine demokratische Digitalisierung unserer Gesellschaften. Das ganze in verständlicher Sprache. Als Heft ist die Broschüre in der Landeszentrale für politsche Bildung und an vielen weiteren Stellen in Berlin erhältlich, natürlich kostenlos und natürlich auch als Download. Ein besonderes Highlight war zudem, dass sie im Rahmen der Weizenbaum-Filmnacht mit einer Podiumsdiskussion im Freiluftkino Kreuzberg vorgestellt wurde.

Soberanía Digital – Spanische Version des Digital Sovereignty Aufsatz

Der von mir und Julia Pohle Ende 2020 in Internet Policy Review veröffentlichte Text Digital Sovereignty, in dem wir die Diskursgeschichte des Souveränitätsdiskurses etwas aufschlüsseln und europäische Verwendungen differenzieren, ist in eine spanischen Übersetzung erschienen: Soberanía Digital. Veröffentlicht ist er im Magazin Revista Latinoamericana de Economía y Sociedad Digital, von dem auch die Übersetzung verantwortet wurde. Tolles Gefühl in einer Sprache lesbar zu sein, an der man selbst recht kontinuierlich gescheitert ist.

Sonderheft: Political Theory of the Digital Constellation

Es war eine längere Reise, aber nun ist es vollbracht. In der Zeitschrift für Politikwissenschaft ist das von mir, Sebastian Berg und Daniel Staemmler gemeinsam verantwortete Sonderheft „Political Theory of the Digital Constellation“ erschienen. Das Heft ist insgesamt fünfzehn Beiträge schwer und wird durch unsere Einleitung gerahmt, in der wir über die Möglichkeiten der Politischen Theorie zu Analyse und Kritik der digitalen Konstellation allgemein referieren. Beiträge zur Debatte stammen dann unter anderem von Daniel Schulz, Vincent August, Wolf Schünemann, Ronja Kniep, Jürgen Neyer, Tim König, Eva Odzuck, Sophie Günther, Anna Verena Nosthoff, Felix Maschewski und Ann-Kathrin Koster. Es geht unter anderem um Technokratie, globale Biopolitik, Freiheitsbegriffe, digitale Souveränität und und und. Wir denken, es ist ein tolles Heft geworden und hoffen, dass es die deutsche und englischsprachige Debatte weiter befördert und das heuristische Konzept der digitalen Konstellation weiter bekannt macht. Lesen lohnt sich, einfach hier klicken – plus: die Beiträge sind auch allesamt Open Access.

Agonales Sommertreffen in Greifswald

Grit Straßenberger und Rieke Trimcev haben vom 29.06 bis 01.07 an der Universität Greifwald ein agonales Sommertreffen organisiert, meint: Einen Workshop, der im Anschluss an die Konferenz „Agonale Politiktheorien: Entstehungskontexte, Charakteristika und künftige Herausforderungen„, die im Dezember 2021 am Alfried-Krupp-Wissenschaftskolleg hätte stattfinden sollen, aber letztlich virtualisiert werden musste, unsere Diskussionen von damals fortsetzte. Ich war diesmal mit einem Vortrag zur Gestaltung von Öffentlichkeit dabei und den blinden Flecken, die aktuelle Demokratietheorien in Hinsicht auf die technologische und mediale Konstitution von Öffentlichkeit aufweisen.

Streitgespräch: Vereinzeln digitale Medien den Menschen?

Unter der Fragestellung „Vereinzeln digitale Medien den Menschen“ habe ich am 24.06, dem deutschlandweiten Digitaltag an einem virtuellen Streitgespräch teilgenommen. Da mit der Veranstaltung neu eingeführte Format, VHStreit, der kooperierenden Volkshochschulverbände Mecklenburg-Vorpommern und Schlesweig-Holstein soll zwei konträre Ansichten pointiert und in direkter Gegenüberstellung herausarbeiten. Ich habe die Seite vertreten, dass digitale Medien uns eher Möglichkeiten der Kooperation und Kollaboration eröffnen. Meine Gegenüber war Regine Herbrik. Diskussion und Format sind gut aufgegangen und wir hatten eine interessante und hoffentlich für das durch Umfragen eingebundene Publikum auch amüsante Diskussion.

Seminar zu digitaler Demokratie am Comer See

Am wunderschönen Comer See in Adenauers früherer Sommerresidenz Villla La Colinia hat die Konrad-Adenauer-Stiftung vom 13.-16. Juni eine Bildungsveranstaltung zu „Demokratie im digitalen Zeitalter“ abgehalten. Ich war als Referent für zwei Workshops am ersten Tag eingeladen und habe mit den Teilnehmern über demokratisierende Impulse und die Frage digitaler demokratischer Innovationen diskutiert. Das ganze Programm der Veranstlatung lässt sich hier noch einsehen.

Die Kunst der Demokratie: Beitrag auf dem Kulturpolitischen Kongress (und im DLF Kultur)

Am 9. und 10.6 hat in Berlin der 11. kulturpolitische Bundeskongress stattgefunden. Thema in diesem Jahr war „Die Kunst der Demokratie“ und ich war eingeladen beim Eröffnungspanel mit Amelie Deuflhard (Kampnagel Hamburg), Brigitte Geißel (Forschungsstelle »Demokratische Innovationen«)  und Dirk Neubauer (Bürgermeister der Stadt Augustusburg/Sachsen) über die Krise der repräsentativen Demokratie zu diskutieren. Es war ein tolles Gespräch und wer nicht die Chance hatte, im Raum zu sein, hat nun auch nachträglich die Chance, unserer Auseinandersetzung zu lauschen, da diese für die Sendung „Diskurs“ im Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet wurde: hier reinhören. Danke auch an Vladimir Balzer für die Moderation.

Panel auf der Weizenbaum Conference

Die diesjähirge Weizenbaum Conference stand unter dem Motte „Practicing Sovereignty“. Gemeinsam mit Julia Pohle war ich für die Organisation des Tracks “Digital Sovereignty: Terms, concepts and limitations” verantwortlich. Wir hatten zwei tolle Panel, die sich um konzeptuelle wie theoriepolitische Fragen drehten. Super Vorträge gab es etwa von Aisha Kadiri zu digitalem Kolonialismus, von Daniel Lambach zu europäischen Diskursen oder von Ana Stefanija zu Affordanzen, die individuelle Souveränität im Kontext algorithmischen Entscheidens befördern. Und insgesamt war es eine ganz hervorragende Konferenz in der Alten Münze, organisiert u.a. von Geesche Jost und Bianca Herlo.

Sounding Board: Plattform://Demokratie

Am Hans-Bredow-Institut ist – gefördert und unterstützt von der Mercator-Stiftung – ein neues Projekt mit dem Namen „Plattform://Demokratie“ gestartet worden. Geleitet wird das Ganze von Matthias Kettemann und untersucht wird, inwiefern Plattformräte geeignet sind, Plattformen auf öffentliche Werte hin auszurichten und was eigentlich eine gute Struktur und Aufhängung für Plattformräte ist. Begleitet wird das Projekt durch ein großes Sounding Board mit Mitgliedern aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Hier habe ich das Vergnügen, Teil von zu sein und freue mich schon auf die nächsten zwei Jahre an Diskussionen über dieses wichtige Thema.

Studie erschienen: Digitales Europa 2030

Von Oktober bis Mai war ich Mitglied der interdisziplinären Expert:innengruppe „Digitales Europa 2030: Daten und Demokratie“, die die Alfred Herrhausen Gesellschaft eingerichtet hatte. Das Ergebnis unserer Diskussionen in einem aufwendigen Szenarienprozess lässt sich nun hier als PDF lesen. In dem Dokument haben wir ein wünschenswertes Zukunfsszenario für das Jahr 2030 niedergelegt und dann Handlungsoptionen beschrieben, wie dieses zu erreichen sein wird, u.a. haben wir uns auf die Schaffung einer pluralistischen Medienlandschaft, die Steigerung von Digitalkompetenzen in der Verwaltung und die Förderungen von kooperativen und nachhaltigen Ökosystemen konzentriert. Die daraus entstandene Publikation ist hoffenltich nicht nur gewinnbringend zu lesen, sondern transportiert auch noch etwas von dem Diskussionsspirit der toll zusammengestellten Gruppe. Hier geht es zur Webseite des Projektes Digitales Europa 2030, wo auch noch die Gruppe aus dem Jahr 2020 zu finden ist, die sich mit Digitaler Öffentlichkeit beschäftigte und der ich auch schon angehören durfte. Ganz besonderen Anteil am Gelingen hatte natürlich das Team der Herrhausen Gesellschaft und unser Foresight Experte Johannes Gabriel.