In der Zeitschrift für Politikwissenschaft ist jüngst ein Beitrag von mir mit dem Titel “Künstliche Intelligenz und demokratische Partizipation” erschienen. Der Beitrag untersucht, wie sich die gesellschaftliche Durchsetzung aktueller KI-Technologien auf demokratische Partizipation und Repräsentation auswirkt. Im Unterschied zu vielen Debatten stehen dabei nicht Fragen von Manipulation oder digitaler Öffentlichkeit im Vordergrund, sondern die möglichen Verschiebungen im Verhältnis von Repräsentierenden und Repräsentierten. Unterschieden werden vier Entwicklungspfade: erstens Top-down-Schnittstellen, die institutionelle Interaktionen mit Bürger:innen skalieren; zweitens Formen der Throughput-Unterstützung im Kontext demokratischer Innovationen; drittens Bottom-up-Anwendungen, die durch sinkende Transaktionskosten zivilgesellschaftliche Mobilisierung erleichtern; sowie viertens Systemersatz-Modelle, in denen Partizipationsfunktionen an persönliche Agenten delegiert werden. Der Artikel ist online first und selbstverständlich Open Access. Hier könnt ihr ihn einsehen und runterladen.
Das Thema hatte ich zuletzt auch in zwei Vorträgen diskutiert. Einmal in der Reihe Wissenschaft am Dienstag, der Studienstiftung; und einmal in der Winter School Künstliche Intelligenz und Demokratie, am Institut für Politikwissenchaft der Universität Wuppertal.
Abstract
Der Beitrag untersucht, wie die breite gesellschaftliche Adaption von KI-Anwendungen demokratische Partizipation und Repräsentation verändert. Im Unterschied zu dominanten Debatten über Manipulation der politischen Öffentlichkeit oder die Automatisierung staatlichen Handelns richtet er den Fokus auf die Rekonfiguration demokratischer Beteiligungsprozesse sowie der institutionellen Verarbeitung und Rückkopplung politischer Beiträge (Responsivität). Hierfür wird eine Heuristik entwickelt, die zentrale Einsatzformen entlang von Steuerungsrichtung, Interaktionslogik und institutionellem Anspruch ordnet. Unterschieden werden vier Pfade: Top-down-Schnittstellen, die institutionelle Interaktion mit Bürger:innen skalieren; Throughput-Unterstützung im Kontext demokratischer Innovationen; Bottom-up-Anwendungen, die zivilgesellschaftliche Mobilisierung durch sinkende Transaktionskosten erweitern; sowie Systemersatz-Modelle, die Partizipationsfunktionen an persönliche Agenten delegieren. In jedem Bereich werden daraus folgende Forschungs- sowie Design- und Governancefragen diskutiert.